Lic – Licus – Lech
Lech und Lechtal-Gletscher begannen vor rund 50 Millionen Jahren mit einer vom Wasser betriebenen Erosionsarbeit, deren Ergebnis heute als tiefes Tal die Lechtaler und Allgäuer Alpen trennt. Die letzte Vergletscherung endete vor ca. 12.000 Jahren. Der Aufschotterungsprozess begann. Dieser führt dazu, dass der Lech heute rund 20 bis 30 Meter über dem vom Gletscher ausgeschliffenen Felsbett fließt.
In frühen Zeiten kamen die Kelten an den „Lic“ um zu jagen. Im 1. Jahrhundert n. Chr. gehörte das Lechtal zur römischen Provinz Raetien und der Fluss wurde „Licus“ genannt. Ab ca. 500 n. Chr. gingen mehrere Siedlungswellen über das Gebiet um den Tiroler Lech hinweg. Man weiß, dass alemannische Stämme, Rätoromanen, Bajuwaren und Walliser in das Gebiet des heutigen Naturparks Tiroler Lech eingewandert sind. Die Mönche des Klosters St. Mang in Füssen – gegründet im 9. Jahrhundert n. Chr. – nannten ihn nun „Lech“, abgeleitet aus dem griechischen lýkos (Wolf), weil er ihrer Meinung nach in seiner Wildheit einem reissenden Wolf gleicht.
Bild: Tiroler Fischereibuch (1504) – Im Außerfern


Im Tiroler Fischereibuch von Kaiser Maximilian (1504) – er war ein leidenschaftlicher Fischer – finden sich erstaunlich frühe Berichte und Illustrationen von der damaligen Fischerei in der Region, die eine über 500 Jahre währende Tradition aufzuweisen hat.
Bild: Kaiser Maximilian I. (1459-1519) beim Fischen
Heute fließt der letzte Wilde der Nordalpen vom Ursprung bis zum ersten Kraftwerk kurz vor Reutte auf einer Strecke von 70 Kilometer (!) nahezu ungehindert in seinem ursprünglichen Flussbett.
Der Tiroler Lech ist einzigartig im Herzen Europas: Er beherbergt alle typischen Arten und Lebensgemeinschaften einer alpinen Wildflusslandschaft. In unseren naturbelassenen Revieren durchfließt der Fluss ein Schotterbett von mehreren hundert Metern Breite. Sein Wasser teilt sich immer wieder in mehrere Flussarme, um sich bald darauf wieder zu vereinigen. In dieser außergewöhnlichen Flusslandschaft die Fliege tanzen zu lassen ist ein besonderes Privileg.

Die Reise des Lech erstreckt sich über rund 256 Kilometer und endet etwa 1.350 Höhenmeter unterhalb seines Ursprungs. Einige Kilometer unterhalb von Donauwörth (Bayern) mündet er in die Donau.
„Von meinen Fischreisen heimkehrend – ob aus Grönland, Island, Kanada oder Slowenien … – empfinde ich eine umso tiefere Wertschätzung für unseren Lech. Der Vergleich zeigt mir, wie außergewöhnlich unser Fluss ist. Einer der großartigsten Orte seiner Art in Mitteleuropa.“

